LMIV-Software: der Dekla Label Checker im Einzelnen
Der Dekla Label Checker ist eine Web-Anwendung, die Lebensmitteletiketten anhand von Fotos gegen die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) und produktgruppenspezifisches EU-Recht prüft. Das Ergebnis ist eine Konformitätsmatrix über 22 Prüfpunkte, jeder mit Begründung und Fundstelle im Rechtstext. In der laufenden Beta ist die Nutzung kostenlos; nötig ist nur ein Konto.
Was die Software ist
Eine Anwendung im Browser, ohne Installation und ohne Schnittstelle, die erst eingerichtet werden müsste. Sie richtet sich an Lebensmittelhersteller, Importeure und Handelsmarken, die Etikettenentwürfe vor der Druckfreigabe oder bestehende Sortimente prüfen wollen.
Sie besteht aus drei Werkzeugen: der Etikettenprüfung als Kern, einem Vergleich mehrerer Produkte und einer reinen Datenextraktion. Alle drei arbeiten mit Fotos oder Bilddateien des Etiketts.
- Wie eine Prüfung Schritt für Schritt abläuft: vom Hochladen über das Auslesen des Textes und die Bestimmung der Produktgruppe bis zur fachlichen Bewertung.
Die Konformitätsmatrix: 22 Prüfpunkte
Jedes Etikett wird gegen dieselbe Liste geprüft. Sie umfasst 19 Pflicht- und Sachangaben, die Nutri-Score-Darstellung, eine Rechtschreibprüfung und das Gesamturteil, das die Einzelbewertungen zusammenfasst.
- Bezeichnung und Zusammensetzung: Bezeichnung des Lebensmittels, Zutatenverzeichnis, Allergeninformationen und deren Hervorhebung.
- Nährwerte: die Nährwertdeklaration sowie andere Darstellungsformen nach Artikel 35 LMIV, in der Praxis vor allem der Nutri-Score.
- Angaben zum Produkt: Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum, Nettofüllmenge, Los- beziehungsweise Chargennummer, Lagerungs- und Verwendungshinweise.
- Angaben zum Unternehmen: Hersteller, Kontaktdaten, Herkunft sowie Einfuhrangaben bei Ware aus Drittländern.
- Darstellung: Sprachanforderungen, Schriftgröße und Rechtschreibung.
- Weitere Angaben: gesundheitsbezogene Angaben, Pflicht- und Warnhinweise, Barcode und Recyclinghinweise.
- Welche Pflichtangaben die LMIV verlangt: die Angaben des Artikels 9 im Überblick, jeweils mit Rechtsgrundlage.
Fünf Bewertungen statt zwei
Ein Prüfpunkt ist nicht einfach bestanden oder durchgefallen. Die Matrix unterscheidet fünf Zustände, weil die Fälle dazwischen für die Nacharbeit den Unterschied machen.
Die beiden letzten Zustände zählen im Gesamturteil nicht mit: Ein Prüfpunkt, der nicht beurteilt werden konnte oder gar nicht zutrifft, darf das Ergebnis weder stützen noch beschädigen.
- Konform: die Angabe ist vorhanden und entspricht den Vorgaben.
- Nicht konform: die Angabe fehlt oder verstößt gegen eine Vorgabe.
- Warnung: die Angabe ist vertretbar, aber auslegungsbedürftig oder verbesserungswürdig.
- Nicht beurteilbar: die Fotos reichen für eine Aussage nicht aus, etwa weil eine Seite der Verpackung fehlt. Die Software sagt das offen, statt zu raten.
- Nicht anwendbar: die Pflicht gilt für dieses Erzeugnis nicht, zum Beispiel Einfuhrangaben bei Ware aus der EU oder Aufbewahrungshinweise, wo keine nötig sind.
Begründung und Fundstelle zu jeder Bewertung
Jede Bewertung nennt ihren Grund und die Vorschrift, auf der sie beruht. Grundlage ist eine gepflegte Sammlung der einschlägigen Rechtstexte in konsolidierter Fassung: die LMIV selbst, produktgruppenspezifisches EU-Recht und die nationale Umsetzung.
Welche Sondervorschriften greifen, hängt von der Produktgruppe ab. Sie wird aus dem Etikett bestimmt, und die Bewertung zieht dann die passenden Regeln hinzu, etwa für Wein, Nahrungsergänzungsmittel oder Kakao- und Schokoladenerzeugnisse.
Bewertet wird das Etikett von mehreren KI-Modellen unabhängig voneinander. Ihre Einzelgutachten werden gegeneinander abgewogen und zu einem Ergebnis zusammengeführt, damit nicht ein einzelnes Modell das Urteil allein trägt.
Neben der Prüfung: Vergleich und Datenextraktion
- Produktvergleich: bis zu fünf Produkte mit je bis zu drei Bildern nebeneinander. Die Software gleicht die Zutaten ab und zeigt, was allen gemeinsam ist und was nur in einzelnen Produkten vorkommt, dazu Nährwerte und Produktdaten. Das Ergebnis lässt sich als PDF und Excel-Tabelle exportieren.
- Datenextraktion: liest Zutaten, Nährwerte und Produktangaben eines Etiketts aus bis zu drei Bildern als strukturierte Daten aus, ohne rechtliche Bewertung. Nützlich, wenn es nur um die Daten geht, etwa für die Pflege von Artikelstammdaten.
Was mit dem Ergebnis geschieht
- PDF-Gutachten: ein zusammenhängender Bericht zum Ablegen und Weitergeben, auf Wunsch mit dem eigenen Logo.
- Excel-Export: die Einzelergebnisse als Tabelle zur Weiterverarbeitung.
- Historie: jede Prüfung bleibt mit Datum dem Konto zugeordnet und lässt sich wieder aufrufen, auch als Nachweis, wann welches Layout geprüft wurde.
- Rückfragen: zum fertigen Ergebnis lassen sich Nachfragen stellen, ohne die Prüfung neu zu starten.
- Massenverarbeitung: Bilder vieler Produkte in einem Durchgang hochladen. Die Software ordnet sie über eine Labor-Stickernummer auf dem Foto den Produkten zu; Bilder ohne Nummer werden von Hand zugewiesen. Danach läuft je Produkt eine eigene Prüfung.
- Rechte: Zugriffe lassen sich je Person auf einzelne Funktionsbereiche beschränken.
Sprachen
Die Oberfläche gibt es auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Ungarisch. Geprüft werden Etiketten in sieben Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Ungarisch, Rumänisch und Thai, was vor allem für Export- und Importware zählt.
Am weitesten ausgebaut sind die produktgruppenspezifischen Regeln für deutschsprachige Etiketten. Ungarische Etiketten werden nach einer eigenen Einteilung der Produktgruppen geprüft, die dem ungarischen Lebensmittelbuch (Magyar Élelmiszerkönyv) folgt, mit dem einschlägigen ungarischen Recht. Für die übrigen Sprachen gilt die allgemeine Prüfung nach LMIV, gruppenspezifische Feinheiten sind dort bislang nur teilweise hinterlegt.
Was es kostet
Während der offenen Erprobungsphase (Beta) ist die Nutzung kostenlos. Für eine Prüfung braucht es ein Konto, damit Ergebnisse gespeichert und wieder aufgerufen werden können; eine Zahlungsangabe wird dafür nicht verlangt.
Wo die Software aufhört
Die Prüfung ist ein technischer Abgleich und keine Rechtsberatung. Sie ersetzt weder die fachliche Beurteilung durch qualifiziertes Personal noch die Verantwortung des Inverkehrbringers für die Verkehrsfähigkeit. Vor kostenintensiven Schritten wie einer Druckfreigabe sind die Ergebnisse durch eine fachkundige Person zu validieren.
Geprüft wird nur, was auf den Fotos zu sehen ist. Unscharfe Aufnahmen, Spiegelungen und gewölbte Verpackungen erschweren das Auslesen, und eine nicht fotografierte Seite erscheint als „nicht beurteilbar". Die Schriftgröße lässt sich nur messen, wenn eine 1-Euro-Münze als Maßstab neben dem Etikett liegt.
Druckqualität, Sitz des Etiketts und Scanbarkeit des Barcodes gehören nicht dazu. Das sind Aufgaben der optischen Kontrolle an der Produktionslinie.
- Etiketten richtig fotografieren: welche Flächen aufs Bild gehören, wie man gewölbte Verpackungen aufnimmt und wohin die Münze gehört.
Häufige Fragen
- Muss ich etwas installieren?
- Nein. Die Software läuft im Browser. Nötig sind ein Konto und Fotos oder Bilddateien des Etiketts.
- Was kostet die Software?
- Während der Beta ist die Nutzung kostenlos. Ein Konto ist erforderlich, damit Prüfungen gespeichert werden; eine Zahlungsangabe wird nicht verlangt.
- Wie viele Prüfpunkte umfasst eine Prüfung?
- 22: neunzehn Pflicht- und Sachangaben, die Nutri-Score-Darstellung nach Artikel 35 LMIV, eine Rechtschreibprüfung und das Gesamturteil. Welche Punkte im Einzelfall greifen, hängt vom Produkt ab; nicht einschlägige erscheinen als „nicht anwendbar".
- Was bedeutet „nicht beurteilbar"?
- Dass die Fotos für eine Aussage nicht ausreichen, meist weil die betreffende Seite der Verpackung nicht aufgenommen wurde. Das ist keine Aussage über das Etikett, sondern über die Bildlage, und es zählt im Gesamturteil nicht mit.
- Kann ich mehrere Produkte auf einmal prüfen?
- Ja, über die Massenverarbeitung. Die Bilder werden anhand einer Labor-Stickernummer auf dem Foto den Produkten zugeordnet; wo keine Nummer zu sehen ist, weisen Sie die Bilder von Hand zu.
- Ersetzt die Software eine Prüfung durch einen Sachverständigen?
- Nein. Sie liefert eine strukturierte Vorprüfung, die die interne Qualitätskontrolle beschleunigt. Die abschließende Freigabe bleibt eine fachliche Entscheidung.
Laden Sie ein Etikett hoch und sehen Sie die Konformitätsmatrix am eigenen Produkt.
Etikett prüfenWie die Prüfung abläuftStand: 21. Oktober 2026 · Stefan Serdült, Entwickler des Dekla Label Checker